Dalla Corte Völkle Architects

Daniel Dalla Corte

Der Schweizer Architekt Daniel Dalla Corte absolvierte sein Studium an der HTWG Konstanz sowie der renommierten ETH Zürich. Er arbeitete für internationale Architekturbüros unter anderem Scott Carver, Sydney und Santiago Calatrava, Zürich. 1996 wurde er mit dem Deutschen Stahlbau-Förderpreis ausgezeichnet. Er erhielt einen Lehrauftrag an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. In einem Interview sprachen wir mit ihm über seine Ansichten zur Architektur.

 

Herr Dalla Corte, was bedeutet Ihnen Architektur?

DDC Architektur ist nicht allein die Fähigkeit (oder Kunst) Bauten zu organisieren, gestalten und zu realisieren. Sie ist die Kunst, Bauten nicht einfach als Objekte zu erstellen, sondern vielmehr in und mit ihnen Räume zu schaffen für die Bedürfnisse des Menschen. Damit meine ich jene Hohlräume, welche in den Bauten sind, und nicht das Volle, die Mauern, Böden, Decken und die Fassaden, die um sie sind. Damit meine ich auch jene Räume, welche zwischen den Bauten sind, die Strassen und Plätze. Geeignete Räume für die physischen und psychischen Bedürfnisse des Lebens. Räume, welche gedacht sind für das Wohlbefinden derjenigen, die darin leben. Wer so denkt, weiss dass die Planung in Tat und Wahrheit Architektur ist, und nicht ein Tummelplatz für Spezialisten. Planung ist Architektur des grösseren Hauses, der Stadt in welcher wir leben und welche als solche geistig antizipiert werden muss, um sie in der Realität räumlich entstehen lassen zu können.

In welcher Form findet sich diese Auffassung in Ihrer Architektur wieder, gibt es eine Besonderheit – eine Stilistik – die Sie auszeichnet?

DDC Die Stilfrage wird uns häufig gestellt. Für mich ist Architektur primär Ausdruck des Verhältnisses ‚Raum – Leben‘. Jenes Verhältnis impliziert Ambiente, welches aus der gegenseitigen Abhängigkeit des Verhaltens des Menschen in einem Raum, und vom Raum als Herausforderer eines Verhaltens hervorgeht. Architektur als Kunst bedeutet die Fähigkeit, die Lebensbedingungen der künftigen Benutzer zu verstehen, und sie in Harmonie der Räume auszudrücken. Als Architekt muss man sich dieser Verpflichtung zunächst bewusst sein, bevor man beginnt, sich im Disput über Stile, Formen, Moden und Bauweisen zu verlieren.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

DDC Als der erste Mensch seine Hütte baute, tat er dies ganz selbstverständlich, um über einen Raum zu verfügen, worin er leben konnte, und er gab ihr eine Form, um sie bewohnbar zu machen. Wir müssen verstehen, dass sowohl Mauern, als auch Bauten dort zu stehen haben, wo ein Raum begrenzt werden soll, und dass Raum nicht das ist, was zwischen projektierten Mauern oder Bauten übrig bleibt. Eigentlich sollten wir uns nicht wundern, dass Architektur hauptsächlich nach ihren formalen Aspekten betrachtet wird. Seit Vitruv spricht man über nichts anderes als die Gestaltungslehre, wobei die zu jener Zeit selbstverständliche Priorität des Raumes in Vergessenheit geraten ist.

Dalla Corte Völkle Architects